Gastbeiträge

  • Die Ära Tröger – woran wir leiden

    Ein Gastbeitrag von Dr. habil. Peter Kühnst

    Mit dem Jahr 1992 setzt eine ranzige Zeit in der bundesdeutschen Geschichte der olympischen Bewegung ein. Walther Tröger beginnt, entgegen dem Wollen seines langjährigen Vorgängers Willi Daume und zunächst als beschwichtigende Interimslösung gedacht, seine Präsidentschaft im NOK. Die Inthronisierung eines „Alt-Apparatschiks“, wie nicht nur der honorige Sportphilosoph Prof. Dr. Hans Lenk von der Karlsruher Universität kritisierte. Er erkennt als ehemaliger Goldmedaillengewinner im Achter solche Sportfunktionäre als Typologie „profilneurotischer Ersatzpolitiker im Freizeitbereich“ (Der Spiegel 30/1992. S. 196-197). Bei Tagungen, Kongressen oder Meetings hatte Lenk erlebt, wie der Zirkus der Zustimmungsrituale abläuft. Wie Nachdenkliche, Kritiker oder Querdenker unerwünscht waren und überhört wurden. So lebte der deutsche Sport mit seinen „warm gelaufenen Wahrheiten“ nach dem Motto:

    „Wer nur noch hört, was ihm gefällt, glaubt irgendwann nur noch, was er ohnehin schon zu wissen meint“.

    Es sollte eine Präsidentschaft der Fehlentwicklungen, Versäumnisse und Skandale werden, die erst 2002 ein Ende findet, heißt es in meiner kulturhistorischen Darstellung „Totalitäre Körper-Kultur. Ein Jahrhundert  Leistungssport“ (Münster 2018. S. 148-207). (mehr …)

  • 100 Jahre Göttinger Beschlüsse zum Hochschulsport

    eine wichtige Wegmarke für die Entwicklung des Sports an Universitäten und Hochschulen

    Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Wolfgang Buss

    Schon Ludwig Mester, ein Hermann Nohl Schüler, hat in seiner 1931 erschienenen Göttinger Dissertation „Die Körpererziehung an den Universitäten“ (Mester 1931) deutlich gemacht, dass Formen einer zeitgenössischen Bewegungskultur – ob sie nun als „Ritterliche Exerzitien“, „Turnen“, “Körperliche Erziehung“, „Leibesübungen“, „Körperkultur“ oder „Sport“  denominiert waren –  beginnend nach der Reformation, spätestens aber seit der Zeit der Aufklärung stets ein Teil des sozialen Lebens an den deutschen Hochschulen waren. Dabei war ihre dortige Existenz nie ganz unumstritten und ihre Förderung durch die Hochschulen sowie die staatlichen Behörden zu unterschiedlichen Zeiten seit dem 17. Jahrhundert auch dementsprechend sehr schwankend – ganz abgesehen von dem schwierigen Prozess der Anerkennung als akademisches Forschungs- und Ausbildungsfach. (mehr …)

  • Kommunikationsdefizite im Wissenschaftlichen Verbundsystem Leistungssport

    Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Manfred Muckenhaupt


    Vorbemerkung

    Die Studie, von der im folgenden Beitrag die Rede ist, wurde von Prof. Dr. Manfred Muckenhaupt und seinem Forschungsteam bereits vor zehn Jahren durchgeführt. Der Wissensaustausch im deutschen Hochleistungssport hatte sich dabei vor allem auch im Vergleich mit anderen Ländern als besonders verbesserungswürdig herausgestellt. Die Studie mündete in zahlreichen Verbesserungsvorschlägen. Betrachten wir etwas mehr als zehn Jahre danach die Situation der Wissenskommunikation im deutschen Hochleistungssport, so müssen wir erkennen, dass sich nur wenig verändert hat und die Forderungen von damals die Forderungen von heute sein müssen. Die Lektüre des Beitrags kann deshalb allen Verantwortlichen, ob ehrenamtlich oder hauptamtlich im System des Hochleistungssports tätig, dringend empfohlen werden.

    Helmut Digel


    Abstract

    Verschläft der deutsche Hochleistungssport den Anschluss an das internationale Wissensmanagement? Diese Frage provozieren die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Wissensmanagement im Wissenschaftlichen Verbundsystem Leistungssport“. Das Projekt ist Teil einer Reihe von Forschungsvorhaben zur Umsetzung des langfristigen strategischen Forschungsprogramms für das Wissenschaftliche Verbundsystem (Forschungsprogramm WVL) und wurde von 2009 bis 2011 durchgeführt. (mehr …)

  • Der Sport nach Corona

    Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Hans-Jürgen Schulke

    Zukunftsforschung nach Corona hat Konjunktur, Szenarien reichen von neuen Lebensperspektiven bis zu wirtschaftlichen Abbrüchen. Sport taucht kaum auf. Die Einschränkungen der Pandemie hat die Sportwelt komplett getroffen: Großveranstaltungen, Profisport, Vereins- und Schulsport, Bewegungskindergärten, Fitnessstudios, individuelles Sporttreiben. Formen und Strukturen des Sports sind stillgelegt. Olympia, das größte Fest der Welt, wird dieses Jahr nicht gefeiert. Noch nie seit Beginn der bürgerlichen Sportbewegung vor 200 Jahren ist die gesellschaftlich organisierte sportliche Aktivität derart komplett unterbrochen worden – das trotz zweier Weltkriege und tiefgreifender politischer, technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche. Wert und Weiterentwicklung des Sports sind neu zu bestimmen. (mehr …)

  • Ein Plädoyer für IOC-Präsident Thomas Bach

    Das Essay „IOC Präsident Dr. Bach-Buhmann der Nation“ ist auf großes Interesse gestoßen und hat viele Rückmeldungen hervorgerufen. Beachtenswert waren dabei unter anderem der nachfolgende Beitrag von Rainer Hipp, ehemals Geschäftsführer des Landesportverbandes Baden-Württemberg. Wir glauben, dass sein Gastbeitrag für die Leser unseres Magazins „sport-quergedacht.de“ von Interesse sein kann.

    Die Redaktion

    Ein Gastbeitrag von Rainer Hipp

    Vorbemerkung:

    Wenn sich alle für oder gegen einen verschwören, regt sich bei dem Schreiber der nachfolgenden Zeilen Widerspruch. Genetisch bedingt oder durch Sozialisation, bisher nicht nachweisbar.

    So bei Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).In deutschen Medien, von deutschen aktiven und ehemaligen Athleten und Funktionären wurde und wird Bach während und nach der Entscheidungsphase über die Olympischen Spiele 2020 in Tokio aufs Heftigste angegriffen, ja beschimpft. Eine der stärksten Anklagen kam vom Ehrenpräsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und Leitenden Oberstaatsanwalt Clemens Prokop aus Regensburg. Aber dazu später mehr. (mehr …)

  • Jugend und Sport – Rückblick, Einblick und Ausblick

    Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider

    1 Einleitung

     Vor allem der Sport der Jugendlichen besticht durch seine Vielfalt. Diese bunte  jugendliche Sportkultur in ihrer Entwicklung während der letzten drei Jahrzehnte darzustellen, ist das Ziel des vorliegenden Beitrags.  Dabei sollen zunächst die zentralen Ergebnisse der deutschsprachigen Jugendsportforschung zu den drei Säulen des Jugendsports – dem vereinsorganisierten Sport in seiner breiten- und leistungssportlichen Ausprägung, dem informell betriebenen Sport und dem kommerziellen Sportangebot – vorgestellt werden, bevor Überlegungen zur möglichen zukünftigen Entwicklungsrichtung des Jugendsports den Beitrag abschließen. (mehr …)

  • Das Dilemma „leichter läuft schneller“

    Ein Gastbeitrag von Ewald Walker

    Man spricht nicht drüber, höchstens hinter vorgehaltener Hand. Magersucht im Leistungssport ist ein Tabuthema. Doch längst hat es auf den Laufbahnen, Turnmatten, Eisflächen oder Ski-Schanzen Einzug gehalten. Das Thema ist im Sport präsenter als gedacht und gerade auch hinter prominenten Sportlern verstecken sich Probleme und Einzelschicksale im Kampf um Köpergewicht und Leistung mit teilweise fatalen Folgen. Ihre Körper sind dünn, die Arme gertenschlank, „sie haben keinen Busen mehr“, hat die 63fache Deutsche Meisterin Brigitte Kraus (Köln) im Vergleich mit früher feststellt, „wir waren auch schlank, aber anders.“ Doch nicht automatisch heißt dünner Körperbau auch, dass eine Athletin magersüchtig ist, entscheidend ist das Essverhalten, wie die Sportmedizinerin Christine Kopp (Tübingen) betont, „Spekulationen sind also fehl am Platz“. (mehr …)

  • Deutschland lernt (wieder) Schwimmen

    Ein Gastbeitrag von Prof. em. Dr. Albrecht Hummel

    Einleitung

    Die einem antiken Poeten zugeschriebene Formulierung, „er konnte weder lesen noch schwimmen“ war zu jener Zeit die metaphorische Umschreibung für einen in jeglicher Hinsicht ungebildeten Menschen oder einen emanzipierten Bildungsverweigerer. Große Wertschätzung des Schwimmen-Könnens findet sich noch im berühmten mittelalterlichen „Ritterspiegel“ des Johannes Rothe (ca. 1410), wo es darum geht, dass der angehende Ritter schwimmen und tauchen „und sich vom Bauch auf den Rücken wenden und krümmen kann“. In den berühmten „Sieben freien Künsten“, den „septem artes liberalis“ findet das Schwimmen dann schon keine Erwähnung mehr, wie auch in vielen späteren neuhumanistischen Kanonisierungen von Bildung. (mehr …)

  • Erfolgsfaktoren der Leichtathletik-EM 2018

    Ein Gastbeitrag von Frank Kowalski

    „Ich gestehe: Meine längst erkaltete Liebe zur Leichtathletik ist neu entflammt.“ So stand es – fettgedruckt – in der BILD-Zeitung. Und so wie dem leitenden Sportredakteur Walter Straten ist es vielen gegangen. Zu Recht wird Berlin 2018 als „Mustermesse“ (Michael Gernandt, der langjährige SZ-Sportchef) für Sportevents der Zukunft gesehen – und verdientermaßen werden diese Titelkämpfe mit Auszeichnungen gewürdigt, wie dem Preis für Fairness und Olympische Werte der Deutschen Olympischen Gesellschaft, die dies wie folgend begründete: „Diese EM erreichte durch viele Dinge eine ganz besondere Ausstrahlung. Dahinter stand ein hochengagiertes Team, das in jeder Phase die Athleten/innen in den Mittelpunkt ihres Handelns stellte.“ (mehr …)

  • Neue Körperliche Grundbildung: Können und Verstehen

    Ein Gastbeitrag von Prof. em. Dr. Albrecht Hummel

    Einführung
    Einige deutsche Sportpädagogen sind gegenwärtig bemüht, die Fachkultur des Sportunterrichts grundsätzlich neu zu bestimmen. Sie grübeln und theoretisieren darüber, ob nach erfolgtem Aufstand des Denkens und vollzogener reflexiver Wende das neuerdachte Kognitions- und Reflexionsfach -bislang schlicht mit „Sport“ bezeichnet-, nun ausgerichtet am Leitbegriff „Sportliteralität“ (Schierz & Miethling, 2017, S.60), eher als „Sport-Studies“ oder als „Sportwissenschaft“ zu bezeichnen wäre. Diese Vorschläge passen nicht in das übliche Geschehen, dass nach dem medialen Aufploppen einer gesellschaftlichen Problemlage zeitnah ein Schulfach (Wirtschaft, Programmieren, Gesunde Ernährung, Umweltschutz u.a.m.) gefordert wird, um diese gesellschaftlichen Probleme mittels der Institution Schule in den Griff zu bekommen. Bei „Sport-Studies“ geht es eher um die tiefgreifende Veränderung eines etablierten und durchaus akzeptierten Unterrichtsfaches. Damit sollen drei Krisen auf einen Schlag bewältigt werden: Eine angebliche Anerkennungskrise des Sportunterrichts, die allgemeine Misere des Sportlehrerberufs und die akademische Profillosigkeit der Sportpädagogik/Sportdidaktik. (mehr …)

  • Arbeitszeitflexibilisierung und kein Aufschrei bei den Sportorganisationen

    Ein Gastbeitrag von Rainer Hipp

    Die Novellierung des Arbeitszeitgesetzes sollte die Sportorganisationen nicht nur aufhorchen lassen sondern in Schrecken versetzen. Aber weder von der Dachorganisation Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) noch von den Mitgliedsorganisationen vernimmt man einen Ton zu diesem existenziellen Thema.

    Die Wirtschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, Nicole Hoffmeister-Kraut, beispielsweise ist gerade auf Werbetour für flexiblere Arbeitszeiten. Ihre Vorschläge für ein neues Arbeitszeitgesetz im Bund zielen auf eine tägliche Höchstarbeitszeit von maximal zwölf Stunden pro Tag (netto ohne Pausen). Bislang sind es zehn Stunden. Mancherorts in Deutschland ist der klassische Achtstundentag, montags bis freitags, schon zum Auslaufmodell geworden. Obwohl die sogenannte Digitalisierung der Arbeit erst ihren Anfang nimmt, sind immer mehr Menschen abends und am Wochenende beruflich aktiv. (mehr …)

  • Der Deutsche Fußball-Bund und die Journalisten

    Ein Gastbeitrag von Rainer Hipp

    Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und sein zurückgetretener Präsident Reinhard Grindel werden in den Medien derzeit hart kritisiert und mit Häme überschüttet. Bei aufmerksamer Beobachtung der elektronischen- und Printmedien fällt auf, die journalistische Solidarität bröckelt. Denn Reinhard Grindel und sein Vorgänger Wolfgang Niersbach kommen aus demselben Genre: dem Journalismus. Das führt zu der Erkenntnis- jetzt kommt ein Pauschalurteil – Journalisten können ein solches Amt nicht ausüben. Das ist nicht verwunderlich. Die Berufsbezeichnung Journalist ist in Deutschland rechtlich nicht geschützt. Es bedarf also keinerlei Qualifikation, sich Journalist zu nennen. Das gilt auch für Wahlämter im politischen wie ehrenamtlichen Bereich. Gewählt werden kann jeder, der kandidiert, unabhängig von seiner Ausbildung oder Tätigkeit. (mehr …)

  • Demografischer Wandel in Deutschland und dessen Bedeutung für die Spitzenverbände des deutschen Sports

    Ein Gastbeitrag von Jonas Bischoff

    1. Einführende Bemerkungen

    Olympia 2060. Die deutsche Delegation kehrt mit nur einer Goldmedaille – in der Disziplin E-Sports – in die Heimat zurück. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gerät in Erklärungsnot, wirkt ratlos und beklagt den Nachwuchsmangel im deutschen Leistungssport: „Uns fehlen einfach die jungen Leute!“. Der Aufschrei in der deutschen Bevölkerung bleibt verhalten. Die Menschen unterhalten sich lieber über das neue, bahnbrechende Gesundheitsprogramm Uber-Sports des Fitnessstudio-Giganten Google-Health, das einem die Instant-Buchung eines Personal-Trainers für zu Hause per Smartphone-App ermöglicht – mit Fast-Delivery-Garantie. (mehr …)

  • Vorbild Ehrenamt und der DOH

    Ein Gastbeitrag von Rüdiger Nickel.

    Unsere Gesellschaft, unser Sport lebt vom Ehrenamt. Ehrenamt ist Vorbild. Zeig mir, wie Dein Ehrenamt ausgebildet ist, und ich sage Dir, wie sozial, wie humanitär Deine Gesellschaft ist. Der Sport ist dabei wichtiges Betätigungsfeld für Ehrenamtlichkeit, ohne sie ist der Sport nicht denkbar.

    Ehrenamtlichkeit hat Vorbildcharakter. Ehrenamt ist zu hegen und pflegen. Ehrenamt ist auch zu würdigen. Ehrenamtler werden auch oft als die „Helden im Verborgenen“ bezeichnet. Und das zu recht. Sie sind die Klammer, der Kitt gesellschaftlichen, sozialen, aber auch sportlichen Engagements. (mehr …)

  • Training und Bildung – ein gestörtes Verhältnis

    Ein Gastbeitrag von Prof. em. Dr. Albrecht Hummel

    Vorbemerkungen
    Training und Bildung werden – insbesondere in Deutschland – als ein Widerspruch in sich angesehen. Dafür gibt es zahllose Belege und verschiedene Gründe. Ein verbreitetes Verständnis vom Trainieren, aber teils auch vom Üben als geistloses, stupides Wiederholen einerseits und ein idealistisch überhöhtes, rein geistiges, elitäres Bildungsverständnis andererseits, haben dazu über Jahrzehnte hinweg ihren Beitrag geleistet. Trainieren und selbst Üben haben es schwer in der deutschen Schulpädagogik als bildungsrelevante Form von Lernen Anerkennung zu finden. Für Anhänger einer normativen Postulate-Pädagogik geisteswissenschaftlicher Provenienz grenzt die Vorstellung vom bildenden Trainieren vermutlich ans Absurde. Und für manch leistungsphysiologisch getrimmten Trainingswissenschaftler kann die enge Verbindung von Trainieren mit Lernen und das Verständnis von Trainierbarkeit, als Teil der übergreifenden Bildsamkeit des Menschen, als kategoriale Nestbeschmutzung oder Leistungsgefährdung verstanden werden. (mehr …)

  • „Staatlich anerkanntes Dopingopfer!“ – Zweifel sind angebracht

    Nachtrag

    Die folgenden Ausführungen hat uns in diesen Tagen Rüdiger Nickel mit der Bitte übermittelt, sie seinen drei Gastbeiträgen (Doping-Opfer-Hilfe ; Das Täter-Opfer-Syndrom; Himmel und Hölle) noch hinzuzufügen. Angesichts der Aktualität des Themas, der öffentlichen Diskussionen über diese Thematik und angesichts der Brisanz seiner Ausführungen kommen wir dieser Bitte gerne nach.

    Ein Gastbeitrag von Rüdiger Nickel

    Staatlich anerkanntes Dopingopfer: Ein neuer Status, ein neuer Titel? Aufmerksam habe ich in der Auseinandersetzung um die Unterscheidung zwischen Dopingtätern und Dopingopfern den Begriff des „staatlich anerkannten Dopingopfers“ ausfindig gemacht. So wirbt der Dopingopfer-Hilfe Verein mit seiner bisherigen Vorsitzenden Prof. Ines Geipel mit ihrer staatlichen Anerkennung als Dopingopfer. (mehr …)

  • Opa wird es richten

    Wie ist es, Großvater zu sein, wenn man als Vater immer zu wenig Zeit für seine Kinder hatte? Unser Autor, 79, holt mit den Enkeln viel nach.

    Ein Gastbeitrag von Michael Gernandt

    Einer dieser wunderbaren Tage im Herbst. Gleißendes Licht aus tiefstehender, immer noch behaglich milder Sonne; erwartungsfroh gestimmte Menschen am Rand des Hockey-Spielfelds. Ein Tag demnach, von dem die angenehmen Momente haften bleiben würden — wenn da nicht der Vorfall mit 14-jährigen Paula gewesen wäre. (mehr …)

  • Doping-Opfer-Hilfe – ein Steuerzahler stellt Fragen

    Ein Gastbeitrag von Rüdiger Nickel

    Es geht um Geld, um richtig viel Geld aus der Sicht eines Normalsterblichen, eines normalen Steuerzahlers: Um mehr als 6 Millionen €, wenn man dem Bericht der Bundesregierung zum Dopingopfer-Hilfegesetz (DOHG) folgt. Gelder, die anerkannten Dopingopfern als zusätzliche Entschädigung für erlittene erhebliche körperliche Beeinträchtigungen seit Inkrafttreten des DOHG als einmalige Zahlung gewährt worden sind.

    Genau waren es  bis zum 10. September 2018  6.226.500 € (nämlich für 593 von 806 gestellten  und bewilligten Anträgen à 10.500 €nach dem DOHG). Bis zu diesem Zeitpunkt wurden 73,8 % der gestellten Anträge positiv beschieden, nur 4,5 % abgelehnt. Die restlichen befinden sich noch in Bearbeitung (vgl. Antwort der Bundesregierung vom 24.09.2018 – Drucksache 19/4491). (mehr …)

  • Das Täter-Opfer-Syndrom beim Dopingbetrug

    Ein Gastbeitrag von Rüdiger Nickel

    Das Trauerspiel um die Ernennung des höchsten us-amerikanischen Richters, Brett Kavanaugh, rückt ein allseits bekanntes Phänomen wieder ins Bewusstsein. Das Phänomen des Täter-Opfer-Wechselspiels, das Spiel zwischen „good guy“, dem Opfer, und „bad guy“ (in diesem Falle „bad girls“), dem Bösen, dem Täter.

    Es ist jedoch nicht das bekannte Aufeinanderprallen diametraler Darstellungen – „er hat versucht, mich zu vergewaltigen“ und „ich doch nicht!“ Das ist normal. Immer wieder gibt es diejenigen, die Vorwürfe erheben, seien es Vorwürfe sexueller Gewalt oder des Missbrauchs Schutzbefohlener, und diejenigen, die diese Vorwürfe vehement bestreiten. Energisches Bestreiten ist tätertypisches Verhalten und das Recht eines jeden Beschuldigten. Aber Jemanden zu Unrecht zu beschuldigen, kommt leider oft genug auch vor, und ist genauso zu verurteilen wie der Missbrauch anderer, sei es körperlich, sei es sexuell, sei es psychisch. Wer bei diesem Wechselspiel der Gute, wer der Böse ist, lässt sich, wenn überhaupt, immer nur feststellen wenn die Vorwürfe abschließend aufgeklärt sind, zumal grundsätzlich bis zum Täternachweis die Unschuldsvermutung gilt. (mehr …)

  • Moral und Ethik im Sportsommer 2018

    Ein Gastbeirag von Ewald Walker

    Der Sport reproduziert bekanntlich Realität und Widersprüche einer sich schnell wandelnden Gesellschaft. Diese Zerrissenheit zeigt sich in fortschreitender Globalisierung bei gleichzeitiger Rückbesinnung auf die Region, bei Leistung und Qualität gegen Konsum und Spaß. Auf den Sport übertragen bedeutet das Event und Erlebnis statt Leistung und Wettkampf mit Sieg oder Niederlage. Leistungs- und Spitzensport haben stark an Glaubwürdigkeit und Akzeptanz verloren.

    Und dennoch hat dieser Sport ein spannendes Jahr erlebt. Handball-Europameisterschaft im Januar, Olympische Winterspiele in Pyeongchang. Im Sommer dann Fußball-WM in Russland, European Championships mit der Leichtathletik-EM in Berlin. Viele schöne und begeisternde Momente auch außerhalb des Olympiastadions auf der europäischen Meile rund um den Breitscheidplatz und der Gedächtniskirche. (mehr …)

  • Hymne und Hölle – Anmerkungen zu Christian Schenks Lebensbeichte

    Ein Gastbeirag von Rüdiger Nickel

    Christian Schenk war schon immer ein außergewöhnlicher Athlet: Seine Zehnkämpfe spiegelten eine Leichtigkeit wider, die alle Experten und Sportfans faszinierte und ihn schließlich zum Olympiasieg 1988 in Seoul brachte. Auch eine Bronzemedaille bei den Europameisterschaften 1990 und eine Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften 1991 sowie bereits der 2. Platz bei den Junioren-Europameisterschaften 1983 gehörten zu seinen großartigen Erfolgen. 1995 wurde er mit dem höchsten deutschen Athletenpreis ausgezeichnet, dem Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis, der jedes Jahr nur einem Athleten verliehen wird, der sich durch außergewöhnliche sportliche Leistungen, aber auch durch Haltung und vorbildliches Handeln in besonderem Maße auszeichnet. Damit ist er in der Geschichte der Preisträger dieses seit 1950 vergebenen ewigen Wanderpokals – nach Horst Beyer (1972) und Guido Kratschmer (1981) – erst der dritte Zehnkämpfer, der diese Trophäe erhielt. Ein Preis, der beispielsweise dem Zehnkampf-Olympiasieger Willi Holdorf (1964), herausragender Athlet und Vorbild bis heute, verwehrt geblieben ist. (mehr …)

  • Otto Peltzer – ein herausragender Athlet und eine bemerkenswerte Persönlichkeit

    Ein Gastbeirag von Theo Rous

    Dr. Otto Peltzer (1900-1970), vielfacher Deutscher Meister, Olympiateilnehmer 1928 und 1932, Weltrekordler über 800 und 1500 m, KZ-Häftling

    Das Jahrhundertereignis

    „Alles ist wieder so nahe als sei es erst vor zwei oder drei Jahren gewesen. Vier Läufer sammelten sich am Start: Paavo Nurmi, der auf dieser 1500-m-Strecke Olympiasieger und der amtierende Weltrekordler war. Edwin Wide, der Schullehrer aus Schweden, der dessen und der anderen Finnen großer Gegner im 5000-m-Lauf war. Herbert Böcher, ein großes Talent, aber noch nicht ausgereift. Und schließlich Otto Peltzer, dessen Bestzeit in diesen letzten Augenblicken vor dem Start auf 3:58,6 Minuten stand.“ Dies schreibt fast ein halbes Jahrhundert später ein Augenzeuge, der Berliner Heinz Cavalier, Chefredakteur der Zeitschrift „Leichtathletik“, aus Anlass des 70.Geburtstages von Otto Peltzer. (mehr …)