Talente im Sport

1.Anmerkungen zum Talentbegriff

Die Etymologie des Wortes „Talent“ ist bezeichnend. Das Wort stammt aus dem Griechischen und meint eine ausgezeichnete geistige oder auch körperliche Befähigung. In diesem Sinn spricht man von mathematischen, philosophischen und künstlerischen Talenten. Ursprünglich bedeutete das griechische Wort tálanton „Waage“ und das talentum war eine griechische Gewichtseinheit. Der Bedeutungswandel, den das deutsche Wort Talent hinter sich hat, bis es über das französische Wort talent in unsere deutsche Sprache eingeführt war, ist dabei vielsagend. Er verweist auf das Neue Testament und zielt auf ein anvertrautes Gut, ein übergebenes Vermögen, auf von Gott übergebene Fähigkeiten. Das Talent sollte begrifflich vom Genie unterschieden werden. Dabei ist der Unterschied des Talents vom Genie oft nur mit Mühen festzustellen, da sich das Talent in seinen höchsten Entfaltungen dem Genie bis auf einen unmerklichen Abstand nähern kann. Weiterlesen

Das Dilemma „leichter läuft schneller“

Ein Gastbeitrag von Ewald Walker

Man spricht nicht drüber, höchstens hinter vorgehaltener Hand. Magersucht im Leistungssport ist ein Tabuthema. Doch längst hat es auf den Laufbahnen, Turnmatten, Eisflächen oder Ski-Schanzen Einzug gehalten. Das Thema ist im Sport präsenter als gedacht und gerade auch hinter prominenten Sportlern verstecken sich Probleme und Einzelschicksale im Kampf um Köpergewicht und Leistung mit teilweise fatalen Folgen. Ihre Körper sind dünn, die Arme gertenschlank, „sie haben keinen Busen mehr“, hat die 63fache Deutsche Meisterin Brigitte Kraus (Köln) im Vergleich mit früher feststellt, „wir waren auch schlank, aber anders.“ Doch nicht automatisch heißt dünner Körperbau auch, dass eine Athletin magersüchtig ist, entscheidend ist das Essverhalten, wie die Sportmedizinerin Christine Kopp (Tübingen) betont, „Spekulationen sind also fehl am Platz“. Weiterlesen

Athletenorientierte Sportförderung

1. Vorbemerkung

Im Februar 2020 werden in Leipzig die Deutschen Hallen-Leichtathletik-Meisterschaft stattfinden. Mehr als 500 Athleten kämpfen dabei um den Titel eines Deutschen Hallenmeisters in mehr als 20 verschiedenen Disziplinen. 400 dieser jungen Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren sind Berufstätige, Studenten oder befinden sich in der Ausbildung. Ihre Leidenschaft, ihr Hobby ist die Leichtathletik. Um bei dieser Meisterschaft teilnehmen zu können, haben sie viele Qualifikationen einzulösen, Hessische oder Sächsische, Süddeutsche oder Norddeutsche Meisterschaften sind die Stationen, um die Teilnahmeberechtigung an der Deutschen Meisterschaft zu erwerben. Mehrmals in der Woche wird von diesen Athleten hierfür trainiert. Zur Deutschen Meisterschaft werden viele von ihnen mit dem eigenen PKW fahren, in billigen Unterkünften werden sie sich einquartieren, nicht wenige werden nur in der Jugendherberge wohnen. Nicht mehr als 100 Athleten von 500 sind es, die für ihren Trainings- und Wettkampfaufwand in angemessener Weise entschädigt werden, Weiterlesen

Das Berufsbild „Trainer“

1. Vorbemerkungen

Will man über das Berufsbild von Trainern im deutschen Hochleistungssport nachdenken, so ist dabei der naheliegende Gedanke, dass man sich die Frage nach der Bedeutung des Wortes „Berufsbild“ stellt. Jeder von uns hat Vorstellungen von dem Beruf eines Automechanikers. Der Berufsalltag einer Krankenschwester in einer Intensivstation ist für uns nachvollziehbar. Lehrer haben wir bei ihrer Berufsausübung über neun Jahre während unserer Schulzeit beobachten können, eine Verkäuferin steht hinter dem Tresen und bedient 40 Stunden in der Woche ihre Kunden und ein Arbeiter bei der Müllabfuhr erbringt eine wichtige Dienstleistung, indem er Woche für Woche die Mülleimer der Bewohner einer Gemeinde entleert. Weiterlesen

Sport und Sexualität

Die Worte „Sport“ und „Sexualität“ haben nicht nur gemein, dass sie mit demselben Buchstaben beginnen. Auch die Phänomene selbst, so wie sie sich von uns beobachten lassen, weisen manche Gemeinsamkeit auf. So wird von der Erotik des Sports gesprochen und was Erotik und Sexualität bedeutet, lässt sich täglich im Internet nachvollziehen. Dass der Sport ein durchaus enges Verhältnis zur Sexualität aufweist, mag ebenfalls kaum überraschen. In die Reihe von Sexualität und Kirche, Sexualität und Arbeitsleben, Sexualität und Popkultur kann der Sport mühelos eingereiht werden. Das Verhältnis, das der Sport zur Sexualität aufweist, scheint dabei angesichts jüngster Beobachtungen kritisch zu sein. Weiterlesen

Populismus im Anti-Doping-Kampf

Einstmals hat Fliegen noch Spaß gemacht. Vom Parkplatz bis zum Schalter der Airline waren es nur wenige Meter zu Fuß, das Einchecken wurde in wenigen Minuten erledigt und ohne Gepäck- und Körperkontrollen konnte man bequem sein Gate erreichen, um bei Langstreckenflügen selbst in der Economy-Class so viel Platz zu haben, dass man noch eine Schlafstellung einnehmen konnte. Heute ist hingegen nicht selten schon das Parken ein Problem. Wenn es schiefläuft, kann die Gepäck- und Körperkontrolle nahezu die Dauer von einer Stunde erreichen und fast alle Flüge sind überbucht. Die Handgepäck- und die Körperkontrolle sind längst zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung geworden. Dank US-amerikanischer Forderungen sind diese Kontrollen immer schwieriger geworden und in mancher Hinsicht haben sie einen Grad an Absurdität erreicht, die nur noch Kopfschütteln zur Folge haben kann. Weiterlesen

Warum der beste Sportler und die beste Sportlerin des Jahres nicht zu finden sind

Für die Welt des Sports ist es eine ihrer grundlegenden Ideen, in allen Sportarten den oder die jeweils Beste zu ermitteln. Gesucht wird der Sportler des Jahres, der Fußballer des Jahres und der Leichtathlet des Jahres. In manchen Sportarten sucht man auch den Sportler des Jahrhunderts. Inzwischen haben auch einige Sportarten eine „Hall of Fame“ eingerichtet und auch hier sollen nur die Besten einen Platz in der Ahnenkultur einer Sportart erhalten. Betreiben beide Geschlechter eine Sportart, so gibt es eine weibliche und männliche Variante der Suche und wird die Sportart als Mannschaftssport betrieben, so ist die Suche nach der Mannschaft des Jahres folgerichtig. Weiterlesen

Mündige Athleten – Eine Fehlanzeige?

So wie demokratische Gesellschaften auf mündige Bürger angewiesen sind, so ist auch ein demokratischer Sport davon abhängig, welchen Grad an Mündigkeit seine Athleten erreicht haben. Die Frage, was man unter einem mündigen Athleten zu verstehen hat, ist allerdings keineswegs so einfach zu beantworten, wie uns dies auf den ersten Blick erscheinen mag. Konsensfähig müsste es jedoch sein, dass man von einem mündigen Athleten erwarten kann, dass er seine Handlungen in der Welt des Sports absichtsvoll und rücksichtsvoll vollzieht, dass seinen Handlungen in der Welt des Sports Intentionen zu Grunde liegen und dass er bereit sein muss, sein eigenes Handeln gegenüber der Gemeinschaft zu verantworten. Weiterlesen

„Athleten Deutschland e.V.“: berechtigte Anliegen aber falscher Ansprechpartner

Ergreift der DOSB-Präsident in der Öffentlichkeit das Wort, so ist von „Sport Deutschland“ die Rede. „Sport Deutschland“ ist auch meist der Titel der DOSB Veröffentlichungen in den letzten Jahren. Angesichts dieses imperialen Sprachgebrauchs kann es kaum überraschen, dass auch eine der jüngsten Kreationen des deutschen Sports „Athleten Deutschland e.V.“ sich diesem eigenartigen Sprachgebrauch anschloss. Stellt man sich vor, man würde gleichermaßen von „Kunst Deutschland“, von „Musik Deutschland“ und von „Literatur Deutschland“ sprechen, so würde spätestens dann ein Unbehagen bei all jenen zu spüren sein, denen die Qualität der deutschen Sprache noch ein Herzensanliegen ist. Weiterlesen

Unwissende Spitzensportler und vorurteilsbefangene Medien

Es musste ja so kommen. Der Totalisierungsprozess, der im Hochleistungssport zu beobachten ist, beschleunigt sich und weitet sich immer mehr aus. Spitzensport bedeutet heute mehr denn je, sich einer Sache völlig hinzugeben, nicht selten sieben Tage in der Woche zu trainieren und Ausbildung und Bildung hinten anzustellen. Die Auswirkungen sind offensichtlich. Formal ist wohl die Bildung der Spitzensportler mit Athleten früherer Zeiten noch zu vergleichen. Oft übertrifft sie sogar diese formalen Standards. Doch ein intensiver Wissenserwerb und die Bildung werden in der Praxis des modernen Hochleistungssports zurückgestellt. Athleten sind allenfalls gute Repräsentanten in der Öffentlichkeit. Ihre Wissens- und Bildungslücken sind jedoch unübersehbar. Dies wurde gerade in jüngster Zeit mehrfach offensichtlich, als Repräsentanten der Spitzenathleten sich zu Fragen der Mitbestimmung geäußert haben und bei deren Forderungen es auch ohne Zweifel um das wichtige Interesse ging, wie Spitzenathleten mehr Geld verdienen können. Weiterlesen