Citius, altius, fortius – wohin treibt der olympische Spitzensport?

Der moderne Hochleistungssport zeichnet sich durch eine schillernde Bedeutungsvielfalt aus. Ob Staat oder Wirtschaft, ob Kirchen oder Gewerkschaften, ob Kunst oder Musik, ob Massenmedien oder private Kommunikation, in allen Bereichen unserer Gesellschaft lässt sich ein mehr oder weniger intensiver Bezug zum Hochleistungssport beobachten. Im Olympiajahr 1996 rückte er ganz besonders ins Interesse der Öffentlichkeit. 1996 war kein normales Olympiajahr. Die Olympischen Spiele der Neuzeit feierten Jubiläum: 100 Jahre zuvor hatte Baron Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen ins Leben gerufen. Solche Anlässe legen Nachdenklichkeit, aktuelle Analyse und Vorausschau nahe. Die modernen Olympischen Spiele sind nunmehr 122 Jahre alt, und es stellt sich die Frage: Wie lange werden sie noch leben? Weiterlesen

Zur Zukunft des IOC

Der moderne Olympismus hat ohne Zweifel eine abwechslungsreiche Geschichte aufzuweisen. Von Erfolgen und Misserfolgen, von politischer Inanspruchnahme, von gut und schlecht organisierten Spielen, von guten und fragwürdigen Entscheidungen, von Fair Play und Betrug, und nicht zuletzt von großartigen sportlichen Leistungen ist dabei zu berichten.Vor allem aber ist auch von der Gefahr der Selbstzerstörung zu reden. Boykotte waren es, die die Olympischen Spiele in Frage gestellt haben, denn 1980 lagen sie nahezu am Boden. Es gab kaum noch ausreichende Bewerberstätte und von einer erfolgreichen Vermarktung der Spiele konnte nicht die Rede sein. Weiterlesen

Mündige Athleten – Eine Fehlanzeige?

So wie demokratische Gesellschaften auf mündige Bürger angewiesen sind, so ist auch ein demokratischer Sport davon abhängig, welchen Grad an Mündigkeit seine Athleten erreicht haben. Die Frage, was man unter einem mündigen Athleten zu verstehen hat, ist allerdings keineswegs so einfach zu beantworten, wie uns dies auf den ersten Blick erscheinen mag. Konsensfähig müsste es jedoch sein, dass man von einem mündigen Athleten erwarten kann, dass er seine Handlungen in der Welt des Sports absichtsvoll und rücksichtsvoll vollzieht, dass seinen Handlungen in der Welt des Sports Intentionen zu Grunde liegen und dass er bereit sein muss, sein eigenes Handeln gegenüber der Gemeinschaft zu verantworten. Weiterlesen

Der Fall Caster Semenya oder wie wichtig und wertvoll ist Chancengleichheit im Sport?

Berlin im August des Jahres 2009. Es finden die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im Olympiastadion statt. Wie so oft zuvor gibt es auch bei dieser Weltmeisterschaft eine Gerüchteküche. Eine ganz besondere Rolle spielen dabei die Vorläufe der 800-Meter-Wettbewerbe der Frauen. Unmittelbar vor deren Finale wird durch den Generalsekretär und die Medienabteilung der IAAF bekannt gegeben, dass der Weltverband einen Geschlechtstest bei der südafrikanischen Läuferin Caster Semenya angeordnet hat. Von Konkurrentinnen wurden Zweifel an ihrem Geschlecht vorgetragen, insbesondere wegen ihres männlichen Erscheinungsbildes und ihrer außergewöhnlichen Leistungen. Semenya gewinnt in Berlin das WM-Finale in einer Zeit von 1:55,45 Minuten. Zum Vergleich: Der Weltmeister im männlichen Wettbewerb lief diese Stecke in 1:45,30 Minuten. Weiterlesen

Wie der Sport sich selbst und andere betrügt

Der Sport, insbesondere der Hochleistungssport, so wie er sich uns heute darstellt, ist vor allem ein Kommunikationsanlass, in dem über Probleme nahezu folgenlos kommuniziert wird. Sport wird dabei Kommunikation um ihrer selbst willen. Es wird sehr wohl mit dem Sport viel Geld verdient, und machtvolle Interessen können dabei eingebracht werden. Es gibt auch eine ganze Menge Profiteure. Die Zeche hat dabei allerdings immer der Steuerzahler zu bezahlen. In jüngster Zeit hatte das folgenlose Kommunikationsspiel einmal mehr Hochsaison. Allgemeine Empörung über den umfassenden Dopingbetrug in einigen Wintersportdisziplinen stand auf der Tagesordnung. Weiterlesen

Prinzipien einer internationalen und nationalen Anti-Doping-Sportpolitik

Vom 2. bis zum 4. Februar 1999 fand in Lausanne die erste Weltkonferenz „Doping im Sport“ statt. Als Vizepräsident des Deutschen Nationalen Olympischen Komitees konnte ich damals der Vorsitzende der deutschen Delegation sein. Es war dabei meine Aufgabe, in einem Grundsatzbeitrag aus deutscher Sicht die „Prinzipien einer internationalen und nationalen Anti-Doping-Politik“ vorzutragen. Es könnte lohnend sein, dass man – 20 Jahre danach ­– sich dieser Prinzipien erinnert und sie noch einmal zur Kenntnis nimmt. Betrachten wir die Situation des internationalen Anti-Dopingkampfes im Jahr 2019 und vergleichen wir sie mit der Ausgangslage der Weltkonferenz „Doping im Sport“ im Jahr 1999, so muss man erkennen, dass die Prinzipien von damals nach wie vor relevant sind und dass der Anti-Doping Kampf bis heute nur ganz wenige Erfolge aufzuweisen hat. Die Frage, warum dem so ist, sollte von denen, die heute für den Anti- Doping Kampf verantwortlich sind, dringend geklärt werden. Weiterlesen

Die Olympische Bewegung und ihre Menschenrechtsverantwortung

Die Olympische Bewegung im Spiegel der Menschenrechte

Folgt man der Charta des Internationalen Olympischen Komitees, so ist der Olympismus eine Sicht des Lebens, die in ausgewogener Ganzheit körperliche, willensmäßige und geistige Fähigkeiten miteinander vereint. Indem er den Sport mit Kultur und Erziehung verbindet, ist der Olympismus darauf gerichtet, eine Lebensweise herbeizuführen, die auf die Freude am körperlichen Einsatz, auf den erzieherischen Wert des guten Beispiels und auf die Achtung fundamentaler und universell gültiger ethischer Prinzipien gegründet ist. Ziel des Olympismus ist es, den Sport überall in der Welt zugunsten einer harmonischen Entwicklung des Menschen dienstbar zu machen, um so der Schaffung einer friedliebenden Gesellschaft förderlich zu sein, die sich der Bewahrung der Menschenwürde verpflichtet fühlt. Weiterlesen

Vorbild Ehrenamt und der DOH

Ein Gastbeitrag von Rüdiger Nickel.

Unsere Gesellschaft, unser Sport lebt vom Ehrenamt. Ehrenamt ist Vorbild. Zeig mir, wie Dein Ehrenamt ausgebildet ist, und ich sage Dir, wie sozial, wie humanitär Deine Gesellschaft ist. Der Sport ist dabei wichtiges Betätigungsfeld für Ehrenamtlichkeit, ohne sie ist der Sport nicht denkbar.

Ehrenamtlichkeit hat Vorbildcharakter. Ehrenamt ist zu hegen und pflegen. Ehrenamt ist auch zu würdigen. Ehrenamtler werden auch oft als die „Helden im Verborgenen“ bezeichnet. Und das zu recht. Sie sind die Klammer, der Kitt gesellschaftlichen, sozialen, aber auch sportlichen Engagements. Weiterlesen

„Staatlich anerkanntes Dopingopfer!“ – Zweifel sind angebracht

Nachtrag

Die folgenden Ausführungen hat uns in diesen Tagen Rüdiger Nickel mit der Bitte übermittelt, sie seinen drei Gastbeiträgen (Doping-Opfer-Hilfe ; Das Täter-Opfer-Syndrom; Himmel und Hölle) noch hinzuzufügen. Angesichts der Aktualität des Themas, der öffentlichen Diskussionen über diese Thematik und angesichts der Brisanz seiner Ausführungen kommen wir dieser Bitte gerne nach.

Ein Gastbeitrag von Rüdiger Nickel

Staatlich anerkanntes Dopingopfer: Ein neuer Status, ein neuer Titel? Aufmerksam habe ich in der Auseinandersetzung um die Unterscheidung zwischen Dopingtätern und Dopingopfern den Begriff des „staatlich anerkannten Dopingopfers“ ausfindig gemacht. So wirbt der Dopingopfer-Hilfe Verein mit seiner bisherigen Vorsitzenden Prof. Ines Geipel mit ihrer staatlichen Anerkennung als Dopingopfer. Weiterlesen

Doping-Opfer-Hilfe – ein Steuerzahler stellt Fragen

Ein Gastbeitrag von Rüdiger Nickel

Es geht um Geld, um richtig viel Geld aus der Sicht eines Normalsterblichen, eines normalen Steuerzahlers: Um mehr als 6 Millionen €, wenn man dem Bericht der Bundesregierung zum Dopingopfer-Hilfegesetz (DOHG) folgt. Gelder, die anerkannten Dopingopfern als zusätzliche Entschädigung für erlittene erhebliche körperliche Beeinträchtigungen seit Inkrafttreten des DOHG als einmalige Zahlung gewährt worden sind.

Genau waren es  bis zum 10. September 2018  6.226.500 € (nämlich für 593 von 806 gestellten  und bewilligten Anträgen à 10.500 €nach dem DOHG). Bis zu diesem Zeitpunkt wurden 73,8 % der gestellten Anträge positiv beschieden, nur 4,5 % abgelehnt. Die restlichen befinden sich noch in Bearbeitung (vgl. Antwort der Bundesregierung vom 24.09.2018 – Drucksache 19/4491). Weiterlesen

Das Täter-Opfer-Syndrom beim Dopingbetrug

Ein Gastbeitrag von Rüdiger Nickel

Das Trauerspiel um die Ernennung des höchsten us-amerikanischen Richters, Brett Kavanaugh, rückt ein allseits bekanntes Phänomen wieder ins Bewusstsein. Das Phänomen des Täter-Opfer-Wechselspiels, das Spiel zwischen „good guy“, dem Opfer, und „bad guy“ (in diesem Falle „bad girls“), dem Bösen, dem Täter.

Es ist jedoch nicht das bekannte Aufeinanderprallen diametraler Darstellungen – „er hat versucht, mich zu vergewaltigen“ und „ich doch nicht!“ Das ist normal. Immer wieder gibt es diejenigen, die Vorwürfe erheben, seien es Vorwürfe sexueller Gewalt oder des Missbrauchs Schutzbefohlener, und diejenigen, die diese Vorwürfe vehement bestreiten. Energisches Bestreiten ist tätertypisches Verhalten und das Recht eines jeden Beschuldigten. Aber Jemanden zu Unrecht zu beschuldigen, kommt leider oft genug auch vor, und ist genauso zu verurteilen wie der Missbrauch anderer, sei es körperlich, sei es sexuell, sei es psychisch. Wer bei diesem Wechselspiel der Gute, wer der Böse ist, lässt sich, wenn überhaupt, immer nur feststellen wenn die Vorwürfe abschließend aufgeklärt sind, zumal grundsätzlich bis zum Täternachweis die Unschuldsvermutung gilt. Weiterlesen

Moral und Ethik im Sportsommer 2018

Ein Gastbeirag von Ewald Walker

Der Sport reproduziert bekanntlich Realität und Widersprüche einer sich schnell wandelnden Gesellschaft. Diese Zerrissenheit zeigt sich in fortschreitender Globalisierung bei gleichzeitiger Rückbesinnung auf die Region, bei Leistung und Qualität gegen Konsum und Spaß. Auf den Sport übertragen bedeutet das Event und Erlebnis statt Leistung und Wettkampf mit Sieg oder Niederlage. Leistungs- und Spitzensport haben stark an Glaubwürdigkeit und Akzeptanz verloren.

Und dennoch hat dieser Sport ein spannendes Jahr erlebt. Handball-Europameisterschaft im Januar, Olympische Winterspiele in Pyeongchang. Im Sommer dann Fußball-WM in Russland, European Championships mit der Leichtathletik-EM in Berlin. Viele schöne und begeisternde Momente auch außerhalb des Olympiastadions auf der europäischen Meile rund um den Breitscheidplatz und der Gedächtniskirche. Weiterlesen

Hymne und Hölle – Anmerkungen zu Christian Schenks Lebensbeichte

Ein Gastbeirag von Rüdiger Nickel

Christian Schenk war schon immer ein außergewöhnlicher Athlet: Seine Zehnkämpfe spiegelten eine Leichtigkeit wider, die alle Experten und Sportfans faszinierte und ihn schließlich zum Olympiasieg 1988 in Seoul brachte. Auch eine Bronzemedaille bei den Europameisterschaften 1990 und eine Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften 1991 sowie bereits der 2. Platz bei den Junioren-Europameisterschaften 1983 gehörten zu seinen großartigen Erfolgen. 1995 wurde er mit dem höchsten deutschen Athletenpreis ausgezeichnet, dem Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis, der jedes Jahr nur einem Athleten verliehen wird, der sich durch außergewöhnliche sportliche Leistungen, aber auch durch Haltung und vorbildliches Handeln in besonderem Maße auszeichnet. Damit ist er in der Geschichte der Preisträger dieses seit 1950 vergebenen ewigen Wanderpokals – nach Horst Beyer (1972) und Guido Kratschmer (1981) – erst der dritte Zehnkämpfer, der diese Trophäe erhielt. Ein Preis, der beispielsweise dem Zehnkampf-Olympiasieger Willi Holdorf (1964), herausragender Athlet und Vorbild bis heute, verwehrt geblieben ist. Weiterlesen

Das Dopingproblem und die Verantwortung der Wissenschaften

Doping- und Medikamentenmissbrauch hängen eng zusammen und beide haben eine lange Geschichte. Doping findet in den regelgeleiteten Sportarten des Hochleistungssports statt und ist als ein Verstoß gegen die in den jeweiligen Sportarten weltweit geltenden und kodifizierten Regeln zu definieren. Medikamentenmissbrauch zeichnet sich dadurch aus, dass Medikamente nicht zu dem vorgesehenen Zweck, nämlich zur Heilung von Krankheiten benutzt werden. Weiterlesen

Doping und Dummheit

Im öffentlichen Diskurs über das weltweit zu beobachtende Dopingproblem des internationalen Hochleistungssports ist es längst üblich geworden, ein Bild vom armen verführten Athleten zu zeichnen, der aus sich selbst heraus keinen Ausweg aus der Dopingfalle findet, in die ihn bösartige Funktionäre hineingetrieben haben. Die Funktionäre, die internationalen Sportfachverbände, allen voran das IOC, manchmal auch noch die WADA, werden dabei als die eigentlich Bösen beschrieben, die den umfassenden Dopingbetrug zu verantworten haben. Auch das unmittelbare Umfeld der Athleten steht am Pranger – ihre Manager, Ärzte, Trainer und pharmazeutischen Experten. Der Athlet selbst wird hingegen, obgleich er ohne Zweifel der eigentliche Täter beim Dopingbetrug ist, als armes Opfer beschrieben, für den man eigentlich Verständnis haben sollte. Weiterlesen

Zur Verrechtlichung des Sports am Beispiel des Dopings

Einleitung

„Längst ist der Sport auf die Juristen gekommen“: mit diesem Satz beginnt ein ansonsten sehr bemerkenswerter und sachkundiger Beitrag in der FAZ zum Doping aus verfassungsrechtlicher Sicht. Autor ist Professor Steiner, Ordinarius für öffentliches Recht und Richter am Bundesverfassungsgericht. Dieser Einschätzung von Herrn Steiner möchte ich widersprechen: Nicht der Sport ist auf die Juristen gekommen, sondern die Juristen auf den Sport. Sie sind schon seit längerer Zeit dabei, das System des Sports schleichend zu vereinnahmen. Das Recht und damit dessen institutionelle und personelle Vertretungen weisen quasi-imperialistische Züge auf. Das Recht ist dabei jenes gesellschaftliche Teilsystem, das immer entschiedener die anderen gesellschaftlichen Subsysteme dominiert. Auf einen Nenner gebracht heißt dies: Es findet in unserer Gesellschaft ein Verrechtlichungsprozess statt, der weder planvoll gesteuert noch von rational nachvollziehbaren Intentionen geleitet wird. Weiterlesen

Pyeongchang 2018 – massenmediale Kehrtwenden

Es war wie immer und es war wie vor vier Jahren vor den Winterspielen in Sotschi und vor zehn Jahren vor den Olympischen Spielen von Peking. Wäre es nach der veröffentlichten Meinung der deutschen Presse und der öffentlich-rechtlichen Sender gegangen, so hätte es Olympische Winterspiele in Korea nie geben dürfen. Selten wurde in den vergangenen vier Jahren ein Gastgeberland eines sportlichen Großereignisses und damit auch dessen Bürgerinnen und Bürger so häufig beleidigt, wie dies im Falle von Korea der Fall war. Winterspiele in Asien im Allgemeinen und in Südkorea im Speziellen stellen die Traditionen des Wintersports in Frage. Die Berge Koreas sind nicht wintersporttauglich. Einen wirklichen Winter wird es in Pyeongchang nicht geben, der Wintersport findet in grüner Landschaft auf weißen Bändern statt. Die Bevölkerung Koreas kann die verschiedenen Wintersportarten nicht einmal unterscheiden, schon gar nicht kennen sie deren Regeln. Das Publikum ist nicht begeisterungsfähig, die Sportanlagen werden internationalen Ansprüchen nicht genügen. Weiterlesen

Fair Play und Gerechtigkeit – das IOC stellt sich schützend vor seine wichtigsten Prinzipien

Nie zuvor in der Geschichte der Olympischen Bewegung hat sich ein Executive Board des IOC in einer Eindeutigkeit schützend vor seine wichtigsten Prinzipien, die Prinzipien des Fair Play und der Gerechtigkeit gestellt, wie dies bei dem Beschluss der Fall ist, das Russische Olympische Komitee (ROC) von den Olympischen Spielen in Pyeongchang auszuschließen. Nach der Publikation des McLaren-Berichts über die skandalösen russischen Dopingmanipulationen aus Anlass der Olympischen Spiele von Sotschi war es immer wieder zu effekthaschenden Forderungen einzelner Funktionäre gekommen, Russland von den Olympischen Spielen in Rio und von allen weiteren Spielen auszuschließen. Weiterlesen

Zwei Jahre Anti-Doping-Gesetz für Deutschland – wurde es umgesetzt?

Anti-Doping-Gesetze sind die naheliegende Konsequenz angesichts der noch immer weltweit wachsenden Zahl der Dopingdelikte. Entsprechende Gesetze wurden in den vergangenen Jahrzehnten in fast allen Staaten verabschiedet, in denen das Sportsystem in eine offene Demokratie eingebunden ist. USA, Australien, Frankreich, Italien, Großbritannien, Österreich und Norwegen sind beispielhaft zu erwähnen. In Deutschland gab es in der Vergangenheit eine ganze Reihe weltweit beachteter Dopingskandale. Zu sprechen ist vom Tod von Birgit Dressel, dem Medikamentenmissbrauch von Kathrin Krabbe und Grit Breuer und von dem bis heute noch nicht völlig aufgeklärten Dopingskandal der mit dem Namen Dieter Baumann verbunden ist. Ulrich, Zabel, Dietz, Henn, Bölts, Aldag, Jaksche, Sinkewitz und Schumacher stehen für die Sportart Radsport, die sich nahezu vollständig dem Prinzip der Dopingmanipulation unterworfen hat. Johann Mühlegg und der Fall Evi Sachenbacher-Stehle stehen stellvertretend für die Dopingmanipulationen im Biathlon und weiteren Wintersportarten. Weiterlesen

Sportethischer Etikettenschwindel

Ethik-Code, Compliance, Unabhängigkeit und Transparenz – glücklicherweise ist der allgemeine ethische Diskurs in unserer Gesellschaft mittlerweile auch im System des Sports angelangt. Dabei fällt auf, dass jene, die sich an diesem Diskurs beteiligen, sich oft über die Bedeutung des Begriffs „Ethik“ nicht bewusst sind, die Inhalte, die eine Sportethik prägen könnten, nicht kennen und die Reichweite dieses Diskurses nicht beurteilen können. Der aktuelle Diskurs ist vor allem durch Schlagwörter geprägt. Transparenz, Compliance, Unabhängigkeit sind beispielhafte Etiketten dieses Diskurses. Es soll dabei um mehr Demokratie, um eine bessere Gesellschaft und um einen besseren Sport gehen. Beobachtet man allerdings die ethischen Debatten über einen längeren Zeitraum, so kann man sehr schnell erkennen, dass das aktuelle Niveau der sportethischen Diskussionen weder hilfreich noch weiterführend ist. Weiterlesen

Ist der Anti-Doping-Kampf glaubwürdig?

Die IAAF hatte im November 2016 eine Quartalsliste veröffentlicht, in der die jüngsten positiven Leichtathletikfälle ausgewiesen wurden. Es konnte dabei wohl kaum überraschen, dass Russland einmal mehr jenes Land war, das mit acht die meisten positiven Fälle aufzuweisen hatte. An zweiter Stelle folgte Indien mit sechs, dann kam Marokko mit fünf, Italien mit drei, USA und Südafrika mit zwei und Kanada, Katar und Frankreich jeweils mit einem positiven Fall. Diese Top-Ten-Liste zeichnet sich durch eine ganz besondere Qualität aus. Mit Ausnahme von Südafrika sind alle anderen Länder im Council der IAAF repräsentiert, haben Sitz und Stimme und entscheiden über die Anti-Doping-Politik der IAAF. Nun wäre es ganz gewiss unfair, Council-Mitglieder für Betrugshandlungen von Athleten verantwortlich zu machen, die mehr oder weniger zufällig der Nation des Council-Mitglieds angehören. Weiterlesen

IOC-Präsident Bach auf dem Prüfstand

Am 10.09.2013 wurde Thomas Bach als Nachfolger von Jacques Rogge zum neuen IOC-Präsidenten gewählt. Die 125. IOC Session von Buenos Aires war für ihn das wohl wichtigste Ereignis, das er über Jahrzehnte vor Augen hatte und mit großem strategischem Geschick und mit einer außergewöhnlichen Professionalität vorbereiten konnte. Thomas Bach wurde für acht Jahre gewählt. Auf die ersten vier Jahre seiner Amtszeit kann er nun zurückblicken. Die IOC Session von Lima, die am 15.09.2017 zu Ende ging, war hierzu geeigneter Anlass. Mit seiner Wahl zum IOC-Präsidenten hat Bach ein Amt übernommen, dessen Ausübung schon immer schwierig gewesen ist, das aber noch nie mit so vielen Problemen überlastet war, wie dies seit Buenos Aires der Fall ist. Von seinem Vorgänger musste er Probleme übernehmen, die sich bis heute als schwer lösbar erwiesen. Bach hat Altlasten abzuarbeiten, die er ohne Zweifel persönlich nicht zu verantworten hat, deren Beseitigung aber zwingend ist. Weiterlesen

Die „Dopingspirale“ bei Arte – ein olympisches Mahnmal

Am 04. Juli 2017 wurde vom deutsch-französischen Kultursender Arte eine Dokumentation ausgestrahlt, in der das internationale Dopingproblem des Hochleistungssports unter dem Titel „Die Dopingspirale“ in einer bemerkenswerten Weise behandelt wurde. In 90 Minuten wurde das Dopingproblem in seiner Komplexität und in seiner Reichweite äußerst fachkundig aufgearbeitet, wie es in der Fernsehberichterstattung bislang noch nicht der Fall gewesen ist. Weiterlesen

Wie das IOC Verantwortung im Anti-Doping-Kampf übernehmen könnte

Betrachtet man das Dopingproblem aus einer prinzipiellen Perspektive, so muss man erkennen, dass es vermutlich nicht lösbar ist. Aufgrund der Regelstrukturen des Sports ist dabei der Betrug eine schon immer existierende Option. Dem Regelbefolgen stehen das Nichtbefolgen, das Foulspiel, der Regelverstoß und damit auch der Dopingbetrug gegenüber. Weiterlesen

Fair Play und Gerechtigkeit – Ein Plädoyer zugunsten der Individualstrafe

Der russische Dopingskandal hat bereits vor den Olympischen Spielen in Rio weltweite Empörung ausgelöst. Das IOC und die internationalen Sportorganisationen werden dabei zu Recht in ihrer Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. Es wird ein transparenter Anti-Doping-Kampf gefordert, bei dem die sauberen Athleten geschützt sind und die Täter weltweit unabhängig ihres Ansehens und unabhängig ihrer Macht in den internationalen Sportorganisationen einer gerechten und konsequenten Strafe zugeführt werden. Weiterlesen

Zur medialen Inszenierung eines Dopingskandals

In der Sendung „Sport inside“ im WDR vom 25.03.2017 berichtet Simon Krivec, ein Doktorand der Universität Hamburg, über die Ergebnisse seiner Dissertation. Daraus wird die Nachricht „Doping West – Top-Leichtathleten gestehen Anabolika-Einnahme“. Am nächsten Tag hat diese Nachricht bereits die Tagesschau um 20:15 Uhr der ARD erreicht. Zwei Tage später berichtet das ZDF Morgenmagazin über den angeblichen Dopingskandal. Weiterlesen

Zu kurz gesprungen – Warum die Regelvorschläge des europäischen Leichtathletik-Verbandes kein Beitrag zur Glaubwürdigkeit der Europarekorde sind

Weltrekorde sind zunächst und vor allem ein Spektakel. Wenn in der Leichtathletik bei Olympischen Spielen oder bei Weltmeisterschaften von Athletinnen und Athleten neue Weltrekorde aufgestellt werden, so ist dies für den Zuschauer ohne Zweifel außergewöhnlich spektakulär. Manchmal fällt ein alter Weltrekord völlig überraschend, wie dies in Rio bei den Olympischen Spielen 2016 im 400-Meter-Lauf der Fall war – Wayde van Niekerk lief 43,03 Sekunden und unterbot somit den alten Weltrekord von Michael Johnson. Weiterlesen

Sind die Grundwerte des Sports in Gefahr?

„36 Verletzte beim Oberligaspiel Zwickau gegen Aue“, „Briefumschläge voller Bargeld“, „Schiedsrichter manipuliert den Ausgang von NBA-Spielen“, „Polizei kassiert Prügel“, „Gewalt unter Fans im Fußball“, „Israelische Vereine finden sich in den Fängen der Unterwelt wieder“, „Zuschauergewalt richtet sich gegen Zuschauer“, „Match-fixing ist auf der Tagesordnung fast aller Profisportarten“ und „Der weltweite noch immer zunehmende Dopingbetrug“ lässt sich von keiner Schlagzeile in seiner Reichweite kennzeichnen. Weiterlesen